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JazzVocals
12.10.2008
Kolberg Résumé
Unsere Fahrt nach Kolberg ist zwar schon ein Weilchen her, aber für einen Reisebericht ist es nie zu spät.


Vom 26. bis 29. Juni 2008 waren wir im schönen Kolberg an der polnischen Ostsee. Was ursprünglich als Festival mit mehreren Chören angekündigt war, entpuppte sich völlig überraschend als ein Treffen zweier Vokalensembles, die zumindest auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher hätten sein können.

Erste vage Anzeichen für die Missverständnisse, die da noch folgen würden war eine Email von Izabela Zielinska, unserer wirklich liebenswerten Kontaktperson in Kolberg. Sie schrieb uns, dass auch ein „Kameralchor aus Munster“ kommen würde, mit dem wir uns „anfeinden“ könnten. Erste Proteste einzelner JazzVocals-Mitglieder ließen nicht lange auf sich warten. Ella schrieb sofort: „Und wenn ich mich aber gar nicht mit denen anfeinden will?!“. Zu Izabelas Verteidigung muss man erwähnen, dass sie sich die deutsche Sprache autodidaktisch beigebracht hat.

Am Donnerstag trafen wir uns in Pankow, wo bereits unser Fahrer Herr Hammer mit seiner Frau und unsere Begleiter vom Verein "Freunde Kolbergs" Alex Lubawinski und Arkadius Jurewizc auf uns warteten. Die Fahrt nach Kolberg im Bus des THW gestaltete sich typisch: laut, lustig und zuckerreich. Im Kindererholungsheim angekommen, machten wir uns natürlich sofort auf den Weg zur Ostsee. Der eine oder andere Zeh wurde ins Wasser gehalten, wir kramten alte Seemannslieder heraus und die Stimmung war gut.

Am nächsten Morgen begaben wir uns zum ersten Workshop mit unserem Gastgeberchor »Cantores Colabregae« im Rathaus. Im ersten Workshop, der von der polnischen Chorleiterin Waleria Żuławnik gestaltet wurde, ging es um Stimmbildung im Sinne des klassischen Gesangs und anschließend lernten wir das polnische Lied »Barka« (die Fähre). Mittags besichtigten wir dann bei einer Stadtführung die Altstadt Kolbergs und die wunderschöne und geschichtsträchtige Basilika, in der wir am Abend singen sollten.

Der zweite Workshop des Tages wurde nun von Susanne gestaltet. Wir begannen mit der »Metromania«, also lateinamerikanische Rhythmen, und übten dann gemeinsam »So Treiben Wir Den Winter Aus« in einem Arrangement von Hans van de Brand. Die polnischen Damen waren zwar zuerst schwer überrascht, dann aber doch schnell mit dabei.

Am Abend hatten wir dann die Ehre, ein gemeinsames Konzert in der Basilika zu geben. Doch es hatte etwas von einer Mutprobe, denn „unser“ Publikum hatte bereits 2 Stunden Gottesdienst hinter sich und wusste nicht, was da auf sie zu kommen würde. Wir begannen unser Konzert mit »A Cappella« und der Schock stand den meisten Zuhörern ins Gesicht geschrieben. Doch die Basilika blieb voll und zuletzt gab es sogar einen äußerst herzlichen Applaus. Auch die größten Skeptiker ließen sich durch unser »Hallelujah« besänftigen — die Englischkenntnisse waren zu unserem Glück nicht besonders fundiert.

Am nächsten Tag folgte ein weiterer Workshop und ein kurzer Abstecher in die Ostsee mit einem Wikingerboot. Am Abend gab es ein weiteres Konzert, diesmal in unserer Herberge mit einem dementsprechend deutlich jüngeren Publikum. Die Stimmung war super und die gemeinsame Feier danach wurde ebenfalls richtig nett. Der eine oder andere Wodka oder selbstgebrannte Schnaps wurde serviert und man hatte das gute Gefühl, gemeinsam einen Schritt in Richtung des kulturellen Austauschs gemacht zu haben.

Am Sonntag verabschiedeten wir uns noch schnell von der Ostsee, von der wir wegen des launischen Wetters leider nur wenig gesehen hatten, und fuhren dann zurück nach Berlin.

An dieser Stelle einen herzlichen Dank an unsere Gastgeber, die uns so herzlich empfangen haben, an Herrn Lubawinski, der immer die wichtigsten Informationen zur Hand hatte, an Herrn und Frau Hammer, die uns heil nach Kolberg und zurück gebracht haben und natürlich an den lieben Arek, der als Dolmetscher bei uns nicht den einfachsten Job hatte. Wir kommen gerne wieder!

von Judith Sabel