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JazzVocals
19.12.2008
Besuch der Ludus Vocaliter

Zwischen dem 23. und 29. September 2008 hatten wir Besuch aus Venezuela. Hier ist der ausführliche Bericht von Krusi.



Zwischen dem 23. und 29. September 2008 hatten wir, das heißt eigentlich der Verein »Internationale Chorbegegnungen e.V.«, Besuch aus Venezuela. Die temperamentvollen, selbstbewussten und freundlichen Mädels des wundervollen Vokalensembles »Cantoría Ludus Vocaliter« waren in Berlin.

Kennengelernt hatten wir uns im November 2006 bei der Tour der »JazzVocals« nach Guatemala, wo wir im Rahmen des dortigen Festivals »Enlace Coral« einige Konzerte gemeinsam gaben und auch in einer gemeinsamen Unterkunft, dem Kloster »La Casa de mi Amigo«, wohnten. Dort entstanden sehr schnell gute Kontakte, die logischerweise bei einem Chor junger Damen besonders von einigen unserer Herren ausgingen. Besonders David, Lucas, Fabian, Carsten und Ella ist es zu verdanken, dass der Besuch hier realisiert wurde. Sie kümmerten sich neben vielem anderem um Kontakte zu anderen Chören und den Großteil der Konzertorte. Bei der Finanzierung wurden wir vom »Goethe-Institut«, vom »Chorverband Berlin«, vom »Landesmusikrat Brandenburg e. V.«, von der »Neuen Musik Akademie«, vom »Förderverein Musik e. V. Zeuthen«, vom »BKA-Theater«, von »Akanthus Kulturmanagement«, vom »THW Berlin-Pankow« und von »Pinguindruck« unterstützt.

Am Dienstag, dem 23.09. stand eine »JazzVocals«-Abordnung auf dem Schönefelder Flughafen zur Begrüßung. Es kamen neun Sängerinnen, die Leiterin Lourdes Sánchez, zwei Mamis und zwei Boyfriends.

Untergebracht waren die VenezolanerInnen bei Katrins Eltern, David, Carsten und Ella, bei Rocio (einer Freundin von Lucas), die beiden Madres in einer Karower Pension. Vielen Dank an die Betreuer!

Am Mittwoch fand in der üblichen Probenzeit der »JazzVocals« ein gemeinsamer Workshop statt. Nachdem wir zusammen »Adiemus« sangen, wurde am liebevoll improvisierten Buffet noch geplaudert und gefeiert.

Am Donnerstag stand ein gemeinsames Konzert der Venezolanerinnen mit »add9« (einem Projekt von fünf musikalisch sehr engagierten JVs) und »Soundshake« auf dem Plan. »add9« hatten ihr erstes großes Konzert dann gleich in der Passionskirche, aber die fünf überzeugten durch sauber intonierten, anspruchsvoll arrangierten, jazzigen A-cappella-Pop. Nach den lebensfroh und ungestüm singenden Soundshakern hatten die Mädels von »Ludus Vocaliter« einen sehr schönen Auftritt. Die stimmungsvoll beleuchtete schöne Backsteinkirche mit ihrer sehr guten Akustik bot eine optimale Kulisse für die Mädels. Wie bei allen Konzerten der Ludicas wurde mit religiösen Renaissance-Liedern begonnen, denen Madrigale aus der gleichen Zeit folgten. Den letzten Konzertteil bildeten geistliche und weltliche zeitgenössische lateinamerikanische Kompositionen mit deutlich folkloristischen Einflüssen, die aber zu den anderen Stücken keinen harten Bruch bildeten. Anschließend gab es backstage ein von den Soundshakern bereitetes reichhaltiges Buffet.

Am Freitagabend gab es das einzige gemeinsame Konzert der »JazzVocals« mit »Ludus Vocaliter« in der Dorfkirche Karow. Man hätte die Kirche für das Konzert größer konzipieren sollen. Die Chöre quetschten sich im Altarraum, Micha hatte als Percussionist bei »Adiemus« die Wahl, sich an der Beleuchtung zu verbrennen oder an der Kanzel zu stoßen. Die Kirche war übervoll, eine ganze Menge Leute stand oder saß auf dem Fußboden. Pfarrer Beyer leitete das Konzert mit einer temperament- und humorvollen Rede ein. Die Akustik war extrem trocken, es konnte sich eigentlich kein guter Chorklang entfalten. Trotzdem wurde es ein wunderbares Konzert mit einer tollen Stimmung sowohl auf der Bühne als auch im Zuschauerraum. Im Anschluss gab es eine gemütliche Feier im Gemeindehaus. Da sich vorher keiner richtig für das Besorgen der meisten Zutaten verantwortlich gefühlt hatte, war es dort erst mal ziemlich leer. David, Carsten und Paola sind mal schnell einkaufen gefahren, damit endlich gegrillt werden konnte. Der guten Stimmung tat das keinen Abbruch, auch wenn die JV-Beteiligung unter 50% lag.

Am Samstag begrüßte Potsdam unsere Gäste mit strahlend blauem Himmel und Sonnenschein, so dass einem Stadtbummel nichts im Wege stand. Am Nachmittag war das Konzert in der größten Halle der Tour – der Potsdamer Nikolaikirche. Dort sangen außerdem das »Junge Vokalensemble Potsdam« unter der Leitung von Gabriele Tschache und der über vierzigstimmige »Bayer Chor Wuppertal« (Altersdurchschnitt 70 Jahre). Beide Chöre sangen in der romantischen deutschen Chortradition des 19.Jahrhunderts. Dazu bildeten die Ludus-Mädels mit ihrer lebendigen und seelenvollen Vortragsweise einen angenehmen Kontrast. Die Akustik der Kirche mit ihrem ewigen Nachhall war leider nicht das Optimum, die Stimme der Ansagerin war nur zu erahnen, ihre Ansagen beschränkten sich leider auf das emotionslose Ablesen von Informationen auf den Programmzetteln.

Von der Kirche aus ging es mit dem Bus der Wuppertaler zum Krongut Bornstedt, wo im Speicher des alten Malzhauses aufgetafelt wurde. Immerhin hatte man die Wahl zwischen zwei, wenn auch übersichtlichen, aber wohlschmeckenden Speisen. Gewürzt wurde das ganze durch Gesangseinlagen der drei beteiligten Chöre, wobei besonders die Wuppertaler Herren deutlich mehr aufblühten als am Nachmittag.

Am Sonntagvormittag wurden schon alle Quartiere geräumt. Am frühen Nachmittag gaben die Venezolanerinnen einen Workshop in der Paul-Dessau-Schule Zeuthen, in der Lucas vor vielen Jahren im Chor sang. Anschließend gab es Kaffee und Kuchen, gestiftet vom sehr rührigen Förderverein der Schule. Das Konzert in der Mehrzweckhalle der Schule begann mit dem Schulchor unter Leitung von Matthias Schella , der besonders einige moderne Stücke selbst für einen Schulchor einer musikbetonten Schule erstaunlich gut und sauber rüberbrachte. Der Saal war gut gefüllt, wenn man sich auch von Seiten der Lehrerschaft der Schule, besonders der Schulleitung, aber auch der Eltern und Schüler oder der anderen Zeuthener mehr Interesse gewünscht hätte. Nach dem Konzert gab es die Abschiedsparty, wiederum danke an den Förderverein der Schule! Reichlich, abwechslungsreich und schmackhaft. Allerdings waren die Schüler ziemlich schnell verschwunden und die anwesenden »JazzVocals« hatten umso mehr von den Ludus-Mädels. Es wurden nochmal viele kleine Gaben ausgetauscht, gesungen, zum eigenen Gesang und Beatboxing getanzt und reichlich gelacht und geweint. Irgendwann wurden die Mädels und die anwesenden JVs in die Autos gequetscht und in die »Amadeo Antonio Stiftung« in Berlin-Mitte gefahren, die als Ausgangspunkt für die letzten Unternehmungen der Luduviken in Berlin dienen sollte. Der Eintritt in einen Club wurde leider vom Einlasser verwehrt, weil eines der Mädel noch nicht ganz 18 war. Nun ja, dann eben kein Salsa in Berlin.

Ein harter Kern der JVs blieb bis zum nächsten Morgen. Fabian und Stefan H. brachten sie nach der durchwachten Nacht zum Flughafen, wo eine kleine Katastrophe kam – die Tickets waren auf den falschen Monat datiert. Also klingelte bei einigen JVs früh vor 6 Uhr das Telefon, um nach Lösungen zu suchen. Die gab es dann auch, wenn es auch erst einmal über 200€ pro Person teurer wurde – aber da war bei Redaktionsschluss noch nicht das letzte Wort gesprochen.

Mittlerweile sind die Mädels von »Ludus Vocaliter« wieder zu Hause. Und wir sind noch randvoll mit Erinnerungen an eine ereignisreiche, anstrengende, intensive schöne Woche.

Der Krusi

von Jens-Peter Kruse